Am 31. Dezember 2003 wird der deutsche Staatsbürger Khaled el-Masri von der mazedonischen Polizei aus einem Bus heraus verhaftet. Der arbeitslose Familienvater aus Ulm hatte gerade die Grenze von Serbien-Montenegro passiert. Die Sicherheitskräfte fahren el-Masri in ein abgedunkeltes Motel in der Hauptstadt Skopje. Sein Pass sei gefälscht, sein Name gleiche dem Helfershelfer eines Terroristen vom 11. September, lautet die Anschuldigung.
Die übereifrigen Ordnungshüter schalten die CIA ein, und die entscheidet: Ab nach Afghanistan. El-Masri bekommt eine Windel verpasst, wird in einen Overall gesteckt und an den Hindukusch geflogen. Wochenlang haust der Mann libanesischer Abstammung in einem dunklen, stinkenden Kellerloch in der Nähe von Kabul. Am ersten Tag wird er geschlagen und getreten. Einer seiner Bewacher sagt: "Du bist hier in einem Land, wo niemand von dir weiß, in einem Land ohne Gesetz. Wenn du stirbst, werden wir dich begraben, und keiner wird davon erfahren." Nachts befragen ihn Männer mit amerikanischem Akzent nach seinen angeblichen Verbindungen zum Terreor-Netzwerk Al Kaida.
So steht es in der Sonntagsausgabe der "Washington Post" (www.washingtonpost.com). Titel des Artikels von Dana Priest: "Wrongful Imprisonment: Anatomy of a CIA Mistake".
Und weiter heißt es: Nach ein paar Monaten finden die Amerikaner heraus, dass el-Masri unschuldig ist. Sein Pass ist echt, die Namensgleichheit mit einem Al-Kaida-Attentäter Zufall. Der damalige US-Botschafter in Berlin, Daniel Coats, informiert im Mai 2004 Ex-Innenminister Otto Schily über den Irrtum. Die Bundesregierung solle dicht halten, selbst wenn el-Masri an die Öffentlichkeit gehe, bittet Coats. Und Schily hält dicht.
Einzelfall? Serien-Phänomen? Etwa drei Dutzend Terrorverdächtige seien zu Unrecht verhaftet und befragt worden, schreibt die "Washington Post". Rund 3000 mutmaßliche Terroristen habe die CIA in Kooperation mit anderen Geheimdiensten verhaftet darunter Führungsfiguren von Al Kaida.
Buhmann Washington? So einfach ist es nicht. Im Krieg gegen den Terror gibt es keine Schwarz-Weiß-Schemata. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Dienste ist die Regel, in einer riesigen Grauzone sind die Übergänge fließend. Die nationalen Öffentlichkeiten in Westeuropa sehen das allerdings anders: Für sie sind die USA die Menschenrechtsverletzer.
Die Bundesregierung steckt daher in der Bredouille. Bekennt sie sich im Anti-Terror-Krieg der Geheimdienste zum Schulterschluss mit Amerika, wird ihr Komplizenschaft bei Missbräuchen wie im Fall Masri vorgeworfen. Pocht sie auf ihre Nichtwissen, kreiden ihr Kritiker mangelnde Kontrolle an.
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